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Dieser Wein ist aus dem Schneider

In der Cantina Adanti im umbrischen Bevagna weiß man, was die eigenen Weine wert sind: „Autorenwein“ wird hier aus vorwiegend autochthonen Rebsorten hergestellt. 150.000 Flaschen im Jahr. Klingt Ihnen das zu großspurig? Aber es stimmt. Die Kultur der Region schwingt in diesen Weinen mit. Die Kellerei ist auf alten Klostermauern erbaut; schon die Mönche lagerten Wein im Keller. An diese Tradition knüpfen die Weinmacher an. Im Übrigen haben sie alles anders gemacht, als die Tradition es verlangt. Sie haben gegeneinander gewettet, der Möbelhändler und ein Schneider.

Wetten, das geht besser?

Es lief auf eine Wette hinaus. Alvaro Palini setzte das Glas ab, schüttelte den Kopf. Nein, sagte er, das ist noch kein Wein. Palini arbeitete damals, in den 1960er Jahren, als Schneider in Paris. Er kannte sich mit französischen Weinen aus. Domenico Adanti war Möbelhändler. Er hatte gerade ein paar Flecken Land erworben und baute dort seinen ersten Wein an. Beide kannten sich. Sie stammten aus dem gleichen Ort. Bevagna, mitten im Kerngebiet des Sagrantino und Montefalco Rosso, der autochthonen Reben in Umbrien. „Also?“, fragte Adanti. Palini sagte: „Wetten, dass das besser geht?“, verließ Paris und tauschte die Schneiderschere gegen das Rebmesser ein.

Was sind Autorenweine?

Wir wissen, wer die Wette gewonnen hat. Heute zählt die Kellerei Adanti 30 Hektar Rebfläche und produziert 150.000 Flaschen im Jahr. Autorenweine, sagt Mauro Stelletti, Sommelier, Musiker und Kulturvermittler, bei Adanti obliegt ihm die Gästebetreuung. Für die feinsinnige und naturnahe Kelterung und Vinifizierung werden die Weine jedes Jahr ausgezeichnet.

Es gibt Weine, denen muss man zuhören

In unseren Weinen trinken Sie die Kultur unserer Region mit.“ Stelletti wird gerne poetisch, wenn er spricht. Nur: Je länger wir hier sind, desto besser verstehen wir, was er meint. Er hat recht. Domenico Adanti hat seine Kellerei, die wie eine italienische Landvilla anmutet, auf den Ruinen eines alten Klosters erbaut. Schon Generationen von Menschen vor ihm haben in dieser Erde Rebstöcke gepflanzt; der Platz zur Anlieferung der Trauben geht nahtlos in den Weingarten über und in eine Landschaft, von der man die Augen kaum abwenden kann. Im historischen Weinkeller sind die mannshohen Holzfässer oval und passen damit erst in den Raum. Hier stimmt alles. Überhaupt, seit Alvaro Palini das Weinmachen übernommen hat. Und vor einigen Jahren sein Sohn Daniel. Palinis Philosophie gilt bis heute. „Ich habe von meinem Vater gelernt, von klein auf“, sagt Daniel. Still, ein bisschen schüchtern wirkt er, lässt gerne Mauro erzählen, greift nur ein, wenn er es für wichtig hält. Daniel hat die Geduld, die der Rotwein hier braucht.

Mit 24 ist ein Sagrantino am besten

Verarbeitet werden Trauben aus dem eigenen Anbau. Die Weinlese erfolgt ausschließlich mit der Hand. Nach der Vinifizierung im Stahlfass werden die Rotweine im großen Eichenfass gereift. Jahrelang. Danach in der Flasche verfeinert. Wieder vergehen Jahre. Sieben, acht, neun Jahre warten Daniel Palini und die Adanti, bis ein Montefalco oder ein Sagrantino in den Handel kommen. Muss man seine Nerven wirklich so strapazieren? Daniel nickt: „Unsere Weine enthalten viele Tannine und Polyphenole. Sie brauchen Zeit, um ihre verschiedenen Aromen zu entfalten. Und wir wollen ihnen die Zeit geben, wie die Natur und die Tradition es vorgesehen haben.“ Kürzlich hat Daniel einen 24 Jahre alten Sagrantino getrunken. Und? „Er war gut“, lächelt Daniel, „ob er perfekt war, weiß ich nicht. Ich habe noch nie einen getrunken, der älter war.“ 24 Jahre reichen die Weine im Archiv der Adanti zurück. Alle Jahrgänge werden dort dokumentiert. So wird Geschichte geschrieben.

Manche Trauben werden im Freien gewendet

Dann läuft die Wette eigentlich noch? Sieht so aus. Domenico Adanti und Alvaro Palini haben die Latte hoch gelegt. In den 1970er Jahren gehörten sie zu den Ersten in der Geschichte, die einen trockenen Sagrantino abfüllten. Bis dahin war Sagrantino nur als Passito-Süßwein getrunken worden. Gleichzeitig haben sie es ihren Nachkommen überlassen, zu erkennen, was gut war und überdauern wird. Die Jungen fassen ihr Erbe buchstäblich mit Samthandschuhen an. Für den Passito werden die Sagrantino-Trauben wie früher auf Holzbrettern im Freien ausgelegt und rosinenartig eingetrocknet; jede Woche werden die Kerne gewendet und aussortiert, damit sich kein Schimmel ansetzen kann. Manchmal fällt ein Jahrgang aus. Es werden eben nur die besten Trauben zum Passito, sagt Mauro Stelletti. Darauf anlegen will es niemand. „Zu Ostern gibt es bei mir zu Hause Lammbraten, dazu Sagrantino Passito. Immer.“ Auch das ist Tradition in Umbrien.