Erntezeit in Norditalien

Herbstzeit ist Erntezeit. Das bedeutet vor allem in den norditalienischen Regionen den Beginn der Weinlese in den zahlreichen Weinbergen wie in der Emilia Romagna, dem Piemont, in Friaul und dem Veneto. In Südtirol bringt die Herbstzeit neben der Weinlese aber auch die traditionelle Apfelernte mit sich. Wir haben uns mit unseren norditalienischen Apfel- und Weinbauern unterhalten und mehr über die traditionelle Erntezeit in Italien erfahren. In den Vinschgauer Apfelwiesen führt die Reise über die älteste Weinstraße Italiens bei Kaltern in Südtirol weiter bis in das berühmte Weinbaugebiet Valpolicella im Veneto, wo wir den herben Amarone verkosten bis in das prestigeträchtige DOC Weingebiet Colli Orientali del Friuli in der Region Friaul-Julisch Venetien im Nordosten. Von dort geht es weiter in die Emilia Romagna, wo der süße spritzige Schaumwein Lambrusco entsteht und zurück geht es über die Weingebiete Langhe, Roero und Monferrato in der nordwestlichen Region Piemont, wo wir mehr über spezielle Nebbiolo Trauben, eine der anspruchsvollsten Rebsorten erfahren.

 

Ernte in Norditalien
 
Südtiroler Apfelernte

Südtirol & Traditionelle Apfelernte

Im alpin-mediterranen Klima gedeihen auf 18.400 Hektar Land die Südtiroler Äpfel besonders gut. Die Apfelwiesen erstrecken sich hier von Salurn im Süden über das Etschtal und die Mittelgebirgshügel des Burggrafenamtes bis ins Vinschgau. Der Apfelanbau hat in Südtirol eine besonders große Bedeutung und die Apfelbauern versorgen mit großer Hingabe oft nur auf kleiner Fläche in allen Höhenlagen ihre Apfelbäume. Daraus entstehen dafür jährlich ca. 950.000 Tonnen Bio Äpfel, die dann ihren Weg nach ganz Europa und darüber hinaus finden. Bereits im Sommer beginnt die eigentliche Obsternte in Südtirol. Je nach Reifezeit werden einige Äpfel bereits im August geerntet wie die Apfelsorte Gala. Im Herbst beginnt dann der Großteil der Ernte, wenn Apfelsorten wie Braeburn und Pink Lady von den zahlreichen Bäumen „geklaubt“ werden. Zwischen September und Oktober beginnt dann auch die Weinlese, oder das Wimmen wie die Traubenlese in Südtirol genannt wird. Zwischen dem Süden und dem Eisacktal werden nun die Trauben für die Südtiroler Traditionsweine Vernatsch, Lagrein und Gewürztraminer geerntet. Den Anfang machen die weißen Rebsorten aus tiefen Lagen, danach kommen die roten Trauben für die schweren Rotweine. Wenn der erste junge Wein gereift ist, kommt die Zeit des Törggelens in Südtirol. Dabei werden zur typischen Marende mit Südtiroler Speck, Kaminwurzen, Kastanien und Schüttelbrot der naturtrübe Apfelsaft und der erste Wein der Saison genossen.

Weinlese in Norditalien

Veneto & Vendemmia

Die Tradition der Vendemmia, wie die Weinlese in Italien genannt wird, ist tief mit der Geschichte und Kultur des Landes verbunden. Die zahlreichen Weinberge in allen 20 Regionen sprechen für sich. Diese Tradition wird über Generationen weitergegeben und wird in der Zeit von Juli bis Oktober, je nach Art und Reifegrad der Trauben, regelrecht zelebriert. Während es in wärmeren Regionen im Süden bereits im Sommer so weit ist, beginnt die Ernte im kühleren Norden üblicherweise erst Mitte September. Dabei werden die Trauben händisch oder maschinell geerntet, sobald sie die richtige Reife erreicht haben und das Verhältnis zwischen Süße und Säure ideal für die Herstellung der Weine ist.

Im erstklassigen Weinbaugebiet Valpolicella westlich und östlich von Verona treffen die frischen Fallwinde aus den Lessinischen Bergen und die mediterrane Luft vom Gardasee aufeinander und sorgen für ein günstiges Mikroklima für den Weinanbau. Als Traditionsweine gelten der gleichnamige Valpolicella Wein, der aus den frischen Trauben der Corvina sowie Corvinone, Rondinella oder Oseletta Rebe im Herbst erzeugt wird. Für den Amarone werden dieselben Trauben weiter angetrocknet. Dafür werden die lockerbeerigsten Trauben ausgelesen und auf Gittern bis in den Jänner hinein in Trocknungsräumen gut belüftet.

Ernte in Norditalien

Friaul & Emilia Romagna

Anfang September beginnt auch die Ernte im friaulischen Weingebiet Colli Orientali del Friuli. Vor allem der Friulano bringt gute Erträge, er treibt früh aus und erreicht nach einer kurzen Reifeperiode seine volle Reife. Der ponca Boden, der in dem Gebiet besonders verbreitet ist, verleiht den friaulischen Weinen eine sehr hohe Mineralität. Aus der Pinot Grigio Rebe entsteht wird im Friaul unter anderem der Ramato gewonnen. Dieser bezeichnet eine traditionelle Herstellungsweise aus der Region, bei dem durch den Kontakt mit den pigmentierten Schalen der traditionelle Wein mit seiner charakteristischen, leicht kupferroten Farbe entsteht.

Bekannt für den Käse Parmigiano Reggiano und den Parmaschinken liefert die Emilia Romagna mit über 60.000 Hektar Rebfläche vor allem mit dem süß spritzigen Schaumwein Lambrusco ihren Beitrag zur italienischen Weinkultur. Die Reben liefern auch die Basis für den berühmten cremigen Balsamico Essig rund um Modena. Die Weinlese der Lambrusco Varianten beginnt ebenfalls Anfang September. Das Zentrum des Lambrusco Anbaus sind die Provinzen Modena und Reggio Emilia.

Erntezeit in Piemont

Piemont & Sankt Martin

Die Kalkböden der Langhe-Berge im nordwestlichen Piemont sind ideal für die Nebbiolo-Traube, die zu den anspruchsvollsten Rebsorten zählt. Sie stellt hohe Anforderungen an Boden und benötigt steile Süd- oder Südwestlagen. Der Name Nebbiolo leitet sich vom italienischen nebbia (dt. Nebel) ab und deutet auf den weißen Belag der Trauben in voller Reife bzw. die späte Erntezeit im Oktober hin, wenn der Nebel bereits in den Weinbergen Einzug hält. Die Tradition der Weinlese ist stark mit der italienischen Kultur verbunden, deshalb finden in dessen Zusammenhang in ganz Italien verschiedene Veranstaltung rund um die Vendemmia statt. In der ersten Novemberwoche an Sankt Martin öffnen viele Weinkellereien zur Verkostung des ersten Weins der Saison. Daher kommt auch das Sprichwort „An Sankt Martin wird jeder Most zu Wein.“