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Wenn schon Weihnachten, dann gleich vier Mal?

Früher war es besser. Das trauen wir uns zu sagen. Es gab endlich einmal genug zu essen. Und es kamen jene Speisen auf den Tisch, von denen die Menschen das ganze Jahr nur träumten. Als wäre die Fee mit dem Zauberstab über das Land geflogen. Feiern die Italiener deshalb vier Mal Weihnachten?

Weihnachten Petersdom
Schiff

Weihnachten zur Goethezeit

Goethe hat es sich 1787 in Neapel erzählen lassen. In seiner Italienischen Reise schreibt er von Girlanden aus Esswaren, die in den Gassen hängen, von Truthähnen, unter deren Bürzel rote Fähnchen stecken. Er berichtet von den Polizeirufern und Trompetern, die nach dem großen Fest durch die Straßen ziehen und eine Liste der geschlachteten Tiere und die Menge der Speisen verlesen, die während der Weihnachtsfeiertage verzehrt wurden. „Das Volk höret aufmerksam zu, freut sich unmäßig über die großen Zahlen, und jeder erinnert sich des Anteils an diesem Genusse mit Vergnügen.“

Befana

Die Starbesetzung: Nikolaus, Santa Lucia, Weihnachtsmann, Befana

Weihnachten ist ein Augenblick der Verschwendung, bestätigt der Ernährungshistoriker Massimo Montanari. Wer auch das ganze Jahre über an der Not leckte, an Weihnachten schlugen sich alle den Bauch voll. So will es die Tradition bis heute. Damit nicht genug: „Alle sollen es sehen, alle sollen es wissen.“ Da wäre es fahrlässig, Weihnachten auf einen einzigen Tag zusammenzudrängen. In Italien wird Weihnachten gleich vier Mal gefeiert. Am 6. Dezember fährt Nikolaus mit seinem Tross ein, am 13. Dezember wird Santa Lucia gefeiert, die Heilige aus Sizilien, die als „Botin des Lichts“ gilt und der Legende nach ihr Vermögen an die Armen verteilte. Heiligabend wird als traditionelles Festmahl in der Familie begangen, auf Geschenke von Babbo Natale müssen die Kinder allerdings bis zum Morgen danach warten. Und wer brav war, darf noch auf die Befana hoffen, die gute Hexe, die am 6. Januar, Epifania, auf ihrem Besen über die Dächer fliegt, kleine Geschenke zurücklässt oder – für weniger Artige - kleine Kohlestückchen.

Stern Zimt

Das Ritual des Widerstands gegen Hunger

Scheint Ihnen das übertrieben? Die Schmauslust der Italiener versteht man nur aus der Kultur des Hungers heraus, als die Menschen das ganze Jahr hindurch nachts vom Essen träumten, das es für viele nur zu Weihnachten gab: von Fleisch, Würsten, Fisch, süßen Broten, Gewürzen, Zucker und Honig und Rosinen. Zusammen am Tisch zu sitzen und zu schlemmen war ein Ritual des Widerstands gegen die Angst vor dem Hunger: wenn wir heute so schlemmen, werden wir auch das nächste Jahr überstehen. In den Süßspeisen ist die große Beschwörung bis heute offenbar; wie Goldstücke gerecht verteilt als Zimt und Pfeffer in den Lebkuchen, als Rosinen und kandierte Früchte im Panettone, als Buttergeschmack im Pandoro, als Nüsse, Feigen, Schokoladenstückchen. Ein Glücksversprechen: das ist unsere Idee von Weihnachten.