Weinbau in Norditalien

Der mediterrane Einfluss ist auch im Norden Italiens spürbar. So sorgen die Nähe zum Gardasee in Südtirol und dem Veneto für ein mildes und mediterranes Klima, das die weitläufigen Weinberge und hügeligen Landschaften prägt. Die Weinkultur in Norditalien besticht vor allem durch ihren großen Facettenreichtum von den würzigen Weinen aus Südtirol und besonders mineralischen Weinen aus dem Friaul, über den süß spritzigen Lambrusco Schaumwein aus der Emilia Romagna und dem edlen Amarone aus dem berühmten Weinbaugebiet Valpolicella aus dem Veneto bis hin zu den komplexen, kräftigen Rotweine aus einem der großen Weinbaugebiete der Welt, dem Piemont. Dort wo bereits die Phönizier und später die griechischen Kolonien und Etrusker die Rebkultur prägten, werden bis heute autochthone Sorten wie Lagrein in Südtirol, die Corvina Rebe im Veneto (Dialekt cruina, dt. unreif) sowie Nebbiolo (vom ital. nebbia, dt. Nebel) und Barbera im Piemont gepflegt und somit das uralte Erbe des Weinbaus fortgeführt.

 

Weinbau in Norditalien
 
Weinbau Südtirol

Südtirol: Mauslocher Hof

Durch das milde und mediterrane Klima ist der Süden Südtirols geprägt von zahlreichen weitläufigen Weinbergen und hügeligen Landschaften. Hier werden autochthone Rebsorten wie Vernatsch und Lagrein sowie der Südtiroler Gewürztraminer neben international erfolgreichen Weinen angebaut. Entlang mittelalterlicher Dörfer, vorbei an eindrucksvollen Burgen und Schlössern verläuft die älteste Weinstraße Italiens, die Südtiroler Weinstraße. Auf den Plätzen und in den Gassen der Landeshauptstadt und Weinstadt Bozen lässt sich dieses südliche, italienische Lebensgefühl bei Cappuccino und Aperitivo auch hier sofort erkennen. Spätestens nach einem erfrischenden Sprung in den kühlen Kalterer See und einem Glas Wein an einem lauen Sommerabend in der warmen Rebenlandschaft entdeckt man die Liebe zu diesem Flecken Erde. In Tscherms liegt der kleine Mauslocherhof, der seit vielen Generationen im Besitz der Familie Kiem liegt. Vom damals kleinen Nebenerwerbsbetrieb mit geringer Weinbaufläche erweiterte Gerda Kiem die Rebflächen, um nachhaltig und naturnahe Weine höchster Qualität zu keltern. Die Arbeiten werden je nach Weinberg, auf die Rebsorten und die Bodenbeschaffenheiten abgestimmt. So gelangen nur wertvolle und hochwertige Trauben in den Weinkeller. Gerda und ihre Familie lassen die Natur den Rhythmus vorgeben. Die Weinlese erfolgt händisch und die sorgsame Verarbeitung ermöglicht, dass die natürliche im Weinberg entstandene Qualität erhalten bleibt.

Weinbau Friaul

Friaul Julisch Venetien: Cantina Colutta

Das prestigeträchtige DOC Weingebiet Colli Orientali del Friuli in der Region Friaul-Julisch Venetien ist eine Hügellandschaft an der Grenze zu Slowenien. Der Boden wird in Friaul ponca genannt und entstammt einer urzeitlichen Lagune. Die Mergel- und Sandsteinschichten verfügen über einen hohen Kalkanteil, wodurch der Boden sehr porös und karg ist und nur wenig Wasser speichern kann. In den Colli Orientali del Friuli ist der ponca Boden besonders verbreitet und bringt Weine mit einer sehr hohen Mineralität hervor. Die Julischen Voralpen schützen die Weinberge zusätzlich vor kalten Nordwinden und die milde Luft vom Mittelmeer schafft ein besonders günstiges Mikroklima für den Weinbau. Über Jahrhunderte wurde die Hügellandschaft der Colli Orientali del Friuli von Generationen von Weinbauern umgestaltet und erhielt schließlich 1970 die geschützte Herkunftsbezeichnung DOC Colli Orientali del Friuli. Unter diesem Siegel entstehen seither große friaulische Weine wie der Pinot Grigio Ramato, der Friulano aus der lokalen Rebsorte Tocai sowie Weine aus der aromatischen Ribolla Traube. Hier wachsen auch die wertvollen Weinreben der Cantina Colutta. Aus einem kleinen Weinberg von Großvater Antonio in Manzano wurde im Laufe der Jahre ein 18 Hektar großer Weingarten, in dem die autochthonen Weinreben der Familie Colutta noch heute wachsen.

Weinbau Veneto

Veneto: Cantina Farina

Die ersten Spuren des Weinbaus fand man im berühmten Weinbaugebiet Valpolicella nördlich von Verona in der Region Veneto. Zu Römerzeiten hieß der Wein aus dem Gebiet Retico und war besonders süß. Jedoch wurde das Weinbaugebiet erst im 20. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Weinbauregionen Italiens. Vor allem wegen dem Amarone, dessen Bekanntheit erst vor ca. 60 Jahren anstieg als man begann den süßen Recioto Wein zu Ende zu vergären bis er herbe Aromen (ital. amaro) entwickelte. Im berühmten Weinbaugebiet entstehen jedoch noch viele weitere große Weine wie der fruchtige Valpolicella, der kernige Ripasso und der süße Recioto. Das Gebiet unterteilt sich einerseits in die Classico-Zone, die sich wiederum über fünf Täler nördlich von Verona erstreckt, eine erweiterte Zone im Nordosten und die Unterzone Valpantena, die östlich von Verona liegt. Das Klima im Valpolicella Gebiet wird einerseits vom nahegelegenen Gardasee und den kühlen Winden von den Lessiner Bergen und den Dolomiten im Norden her beeinflusst. Die Basis eines DOC Weines aus dem Valpolicella ist ein Traubencuvée aus Corvina, wodurch der Wein seine charakteristischen fruchtigen Kirscharomen erhält sowie Corvinone, Rondinella oder Oseletta, die dem Wein Säure und Frische verleihen. Ein Superiore oder Classico Superiore reift mindestens ein Jahr, während ein Amarone mindestens drei Jahre gelagert wird. In der Cantina Farina werden die Trauben für den Amarone vier Monate lang getrocknet bevor sie im Jänner gekeltert werden.

Weinbau Emilia Romagna

Emilia Romagna: Venturini Baldini

Im mediterranen Klima der Emilia Romagna liegen auf teils lehmigem, kalkhaltigen Böden 20 DOC und DOCG Weinbaugebiete. Die Geschichte des Weinbaus in der Region gehen bis auf die Etruskerzeit zurück und bereits im Mittelalter wurden Reben wie Lambrusco, Sangiovese und Pignatello hier angebaut. Von den Stränden der Adriaküste über die Po Ebene bis hin zu den Gipfeln des Apennins erstreckt sich die Emilia Romagna und ist vor allem bekannt für die Rebsorte Lambrusco – die rund um Modena zu süßen und spritzigen Schaumweinen verarbeitet wird. Die bedeutendsten Sorten sind Grasparossa di Castelvetro, Lambrusco di Sorbara, Lambrusco Salamino, Lambrusco Marani, Lambrusco Maestri oder Lambrusco Montericco. Als einer der meistgetrunkenen italienischen Weine ist der Schaumwein Lambrusco mit der kulinarischen Tradition der Emilia Romagna unzertrennlich verbunden und wird aus einer Kombination aus verschiedenen Rebsorten gewonnen. Der Marchese Manodori aus dem Weingut Venturini Baldini ist ein Lambrusco der Sorten Marani, Maestri, Salamino, Grasparossa und wird mittels der Charmat-Methode hergestellt. An den Ausläufern des Apennins direkt zwischen Parma und Reggio Emilia liegt das Weingut der Familie Prestia. In biologischem Anbau werden große emilianische Weine hergestellt wie der erstklassige Lambrusco, welche die Vielfalt der Emilia Romagna widerspiegeln. Mit größter Sorgfalt und Hingabe entsteht hier ein wahrer Klassiker, der in ganz Italien geschätzt und genossen wird.

Piemont: Renzo Seghesio

Das Piemont ist bekannt für komplexe, kräftige Rotweine. Barbera-Trauben gedeihen am besten in den Provinzen Asti und Cuneo, sowie den Hügeln des Monferrato. Die Kalkböden der Langhe-Berge sind wiederum ideal für die Nebbiolo-Traube, die zu den anspruchsvollsten Rebsorten zählt. Sie stellt hohe Anforderungen an Boden und benötigt steile Süd- oder Südwestlagen. Nur wenige Gegenden auf der ganzen Welt kommen deshalb für einen Anbau in Frage. Der Name Nebbiolo leitet sich vom italienischen nebbia (dt. Nebel) ab und deutet auf den weißen Belag der Trauben in voller Reife bzw. die späte Erntezeit im Oktober hin, wenn der Nebel bereits in den Weinbergen Einzug hält. Einer der bekanntesten Weine aus der Nebbiolo Rebe ist der Barolo. 15 km von Alba entfernt, liegt die für den Wein namengebende Gemeinde mit ihren 700 Einwohnern. Zusammen mit den Orten Castiglione Falletto, La Morra, Monforte d’Alba und Serralunga d’Alba zählt sie zum historischen „Kern” der Barolo Produktion. Gleich wie der Barolo, der zu 100% aus Nebbiolo-Trauben besteht, ist auch der Barbaresco ein sortenreiner Nebbiolo-Wein. Im Gegensatz zum Barolo, der sehr komplex ist und einen relativ hohen Alkohol-, Tannin- und Säuregehalt aufweist, präsentiert sich der Barbaresco weniger wuchtig, weicher, samtiger und leichter. Er wird oft auch als der „kleine Bruder“ des großen Barolo bezeichnet. Im Weingut der Familie von Renzo Seghesio erreichen die sortenreinen Weine auf Basis langjähriger Erfahrung im Weinbau eine erstklassige Qualität.