Weinbau in Süditalien

Sanfte Hügel, fruchtbare Ebenen und mineralische Böden – neben den beiden Spitzenreitern in der Weinproduktion Toskana und Piemont im Norden, gewinnt auch der Weinbau im Süden Italiens zunehmend an Relevanz. Mit seinen ursprünglichen Rebsorten, intensiven Aromen, unvergleichlicher Säure und Mineralität durch vulkanische Böden entstehen elegante Weine aus dem Süden. Wo die süditalienische Sonne und der Wind des tyrrhenischen Meeres die Reben umspielen, ist es jedoch nicht immer einfach ausgezeichnete Weine zu produzieren. Dort wo bereits die Phönizier und später die griechischen Kolonien und Etrusker die Rebkultur prägten, werden bis heute autochthone Sorten wie Aglianico (ellenico, dt. hellenisch, altgriechisch) und Negroamaro (lateinisch-griechisch für dunkel-dunkel) gepflegt und somit das uralte Erbe fortgeführt. Während der Süden vor allem für seine intensiven, roten Rebsorten bekannt ist, entsteht auch eine Vielzahl an überraschend frischen und sommerlichen Weinen.

 

Weinbau in Süditalien
 
Weinbau in Apulien

Apulien: Azienda Agricola D'Apolito

Weinreben und Olivenhaine so weit das Auge reicht. Früher wurden Weine aus Apulien vor allem in nördliche Regionen geliefert, um die dortigen Weine aufzubessern. Kellermedizin nannte man das, aber seit circa 30 Jahren werden in Apulien immer mehr Weine selbst gekeltert. Insbesondere aus den drei Premiumsorten Negroamaro, Primitivo und Nero di Troia. Je nach Rebsorte entstehen dadurch langlebige, fruchtige oder opulente Rotweine, aber eben auch frische, sommerliche Weiß- und Roséweine. Der Weinbau Apuliens ist charakterisiert durch seine verschiedenen Territorien, die sich recht einfach von Nord nach Süd unterteilen lassen. Von dem bergigen Gebiet Daunia, über die ausgedehnten Hochebenen der Murge bis zu den Sandstränden des Salento besitzt Apulien eine besondere landschaftliche Vielfalt. Ein trockenes Klima, geringe Niederschläge und starke Winde sorgen dafür, dass das Weinmachen zu einem besonderen Akt der Konzentration wird. Schon im Anbau müssen die Reben im apulischen Salento, wo Meer, Sonne und Wind zusammenkommen, ihre Kräfte horten. Dazu werden sie als Bäumchen gezogen und so vor zu viel Sonne geschützt; eine Auslese der besten Trauben erfolgt früh. Was die Reben an Nährstoffen aus dem kargen Boden ziehen, stecken sie in die Früchte. Das allein sichert ihr Überleben. Auf der Suche nach geeigneten Weinbergen sind die D’Apolito auf einen erfahrenen Weinbauern gestoßen: sie nennen ihn Nonno Pietro.

Weinbau in Kalabrien

Kalabrien: Cantina Enotria

Mit nur rund 9000 Hektar Rebfläche produziert Kalabrien im Vergleich zu seinen Nachbarn Sizilien und Apulien nur eine geringe Menge Wein. Der Weinbau in Kalabrien ist jedoch etwas ganz Besonderes. Nirgendwo sonst wurden so viele autochthone Rebsorten erhalten. Die Sorten Gaglioppo, Magliocco und Mantonico werden nur in Kalabrien kultiviert und reichen zurück bis in die Tage der Magna Grecia. Die langgezogene Region im Süden ist geprägt von fruchtbaren Tälern, hohen Bergregionen und Küstenregionen entlang des Ionischen und Tyrrhenischen Meeres. Warme Sommer und kalte Winter prägen das Klima und vulkanische Böden verleihen den Weinen eine feine Mineralität. Als wichtigstes Anbaugebiet gilt Cirò, wo die rote Rebsorte Gaglioppo dominiert. Hier wurde auch die Weinkellerei Cantina Enotria von drei Einheimischen aus Cirò Marina gegründet. Ihr Wunsch war es ein Weingut aufzubauen, in dem die komplette Produktion in ihren Händen liegt – von der Kultivierung der Reben, über die Ernte, bis hin zu der Produktion ihrer eigenen Weine. Diese sollten die Einzigartigkeit ihrer Erde und ihres Landes repräsentieren. Inzwischen wurde das Weingut von den nächsten Generationen übernommen und wird in dem Sinne der drei Gründer weitergeführt. Die Grundidee einen Wein zu produzieren, der für das Land und die Leute steht und der den unverfälschten Geschmack Kalabriens auf den Tisch bringt, wird also bis heute von den Nachkommen in Ehren gehalten.

Weinbau in Sizilien

Sizilien: Alessandro di Camporeale

Lange Zeit nur als Produzent der weißen Grundweine für den süßen Dessertwein Marsala berühmt, entwickelte sich die Region Sizilien zu den wichtigsten Anbauregionen im Süden Italiens. Vor allem seit der Einführung der Ursprungsbezeichnung DOC Sicilia im Weinjahr 2012 brachte Aufschwung in die Produktion sizilianischer Qualitätsweine. Autochthone Rebsorten wie der rote Nero d’Avola und frische Weißweinen aus den Sorten Ansonica, Cataratto und Grillo lassen die Region Sizilien aufleben. Als größte Insel des Mittelmeeres, nur durch die Straße von Messina vom Festland getrennt, weist Sizilien eine besondere landschaftliche Vielfalt auf. Und auch jedes Klima ist auf der Insel zu finden: von mediterraner Hitze über starke Luftströme bis hin zu alpinen Klimabedingungen. Die Reben wachsen im Sand direkt am Meer, auf kalkhaltigen oder sogar mineralischen Böden vulkanischen Ursprungs. Südlich der Hauptstadt Palermo betreibt die Familie Camporeale das Weingut Alessandro di Camporeale bereits in vierter Generation. Die jungen Winzer setzen auf die alten autochthonen Rebsorten Siziliens: Cataratto, Grillo und den roten Nero D’Avola. Dadurch entstehen traditionelle sizilianische Weine, die aber dem Zeitgeist entsprechen sollen.

Weinbau in Kampanien

Kampanien: Vigne Irpine

So reich Kampanien an Geschichte und unberührter Natur ist, so vielfältig zeigen sich auch die Weine aus der Region am Tyrrhenischen Meer. Von fruchtig bis kraftvoll, von mineralisch bis opulent – die Reben entlang der Küste und zum Teil in Höhen von 800 Metern bestechen durch ihre Säure und Mineralität. Die Landschaft zeichnet sich durch malerische Küsten, Vulkanböden und weite, fruchtbare Hügellandschaften im Hinterland aus. Die Geschichte des Weinbaus in Kampanien reicht bis zu den Etruskern und Griechen zurück. Die Region rund um Neapel galt früher als der Weingarten Roms und die damals gezüchteten Trauben gelten als die Vorfahren der noch heute angebauten, autochthonen Rebsorten Aglianico, Fiano, Greco oder Falanghina. Sie liefern aromatische Weine wie die drei DOCG Weine der Irpinia: Taurasi, Greco di Tufo und Fiano di Avellino. Mitten in dem grünen Irpinia-Gebiet wurde das Weingut Vigne Irpine von ein paar Freunden gegründet. Unter Anleitung von Kellermeister Carmine Tirri werden alte, autochthone Rebsorten mit modernen Methoden verarbeitet und reifen in Edelstahlfässern. Durch die hohe Qualität und die ständige Suche nach weiteren alten Sorten hat sich das Weingut einen guten Namen gemacht. Produziert werden in streng limitierter Anzahl Weiß- und Rotweine aus den alten, autochthonen Rebsorten der Irpinia.

Weinbau in Sardinien

Sardinien: Tenute Gregu

Archäologische Funde belegen, dass auf Sardinien bereits seit 1200 v. Chr. Weinbau betrieben wurde. Heute existieren noch rund 40.000 Hektar Weinberge im Norden, Westen und Süden. In den autochthonen Rebsorten spiegelt sich noch heute die Geschichte der Insel wider, in der die Einflüsse aus Spanien und Frankreich stark zu erkennen sind. Im Norden dominiert der Vermentino, der besonders fruchtige und lebhafte frische Weine hervorbringt. Gehaltvolle Rotweine werden in erster Linie im Westen und Süden der Insel aus dem Grenache erzeugt, der auf der Insel als Cannonau bekannt ist. Im Weingut Tenute Gregu trifft die Leidenschaft der Familie für ihre Erde und ihre Reben auf die Traditionen der sardischen Weinherstellung und bewahrt somit die ursprünglichen Aromen Sardiniens.