Zibibbo verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. ----Mehr erfahren ----Einverstanden!

Paccasassi sind das Edelweiß des Meeres.

Für den Fall, dass Sie am Strand bei Ancona Ihren Urlaub verbringen. Wenn Sie an unwirtlicher Stelle zwischen den Felsen, umspült von Gischt, plötzlich ihren Augen misstrauen, haben Sie wahrscheinlich einen wilden Meerfenchel entdeckt. Paccasassi sagen die Bewohner von Ancona, die gerne glauben, dass diese Pflanze Steine spalten kann. Früher kannte jedes Kind die Paccasassi, sie gehören zur Küchentradition der Meerregion in den Marken. Heute ist es verboten, den wilden Meerfenchel zu pflücken. Doch bevor die Bewohner von Ancona ihre Rezeptbücher umschrieben, haben zwei Lebensmitteltechnologen eine Rettungsaktion gestartet und die Paccasassi gezähmt. Also durchatmen, Sie kommen gerade noch rechtzeitig.

Die Vitamin-C-Tablette der Seefahrer

Jedes Jahr im Sommer zog es die Bewohner von Ancona in die Meerfelsen hinaus. Man musste die fleischigen und knusprigen Blätter der paccasassi sammeln, sonst kam man nicht über den Winter. So wollte es die Tradition. Der wilde Meerfenchel gilt als Vitamin-C-Lieferant, man sagt ihm appetitanregende und blutreinigende Wirkung nach. Seefahrer aßen den Meerfenchel roh, um gegen Skorbut gewappnet zu sein. Das ging so lange gut, bis die Naturschützer Alarm schlugen, weil der Meerfenchel im Naturpark des Monte Conero auszusterben drohte. Eigentlich kein Wunder. Meerfenchel wächst unter schwierigen Bedingungen. Er liebt die salzige Meeresluft, will im Gischtbereich leben, seine langen Wurzeln zwischen feine Felsspalten stecken. Sechs Monate braucht der Meerfenchel vom Samen bis zur Pflanze, nach zwei Jahren trägt er zum ersten Mal Früchte. Meerfenchel, botanisch Crithmum maritimum, gedeiht an den Mittelmeerküsten und bis nach Schottland hinauf.

Paccasassi? Ein Drama für König Lear.

Es gibt Hinweise, dass die paccasassi in England ähnlich begehrt waren wie an der Küste bei Ancona. So wird berichtet, dass Meerfenchel vor 150 Jahren auf dem Londoner Wochenmarkt wegging wie frische Semmeln, dass es auch dort Engpässe in der Versogung gab und der Meerfenchel deshalb mit schneller wachsenden Strandkräutern gestreckt wurde. Shakespeare verewigte das Kraut in seinem King Lear: Den König schauert es bei dem Gedanken an die Gefahren, die beim Meerfenchel-Pflücken lauern (4. Akt, Szene 6).

An den Küsten der Marken werden die Paccasassi roh, gedünstet und in Öl eingelegt verzehrt. Ein beliebter Antipasto sind Bruschette – getoastete und mit Olivenöl beschmierte Brötschen – mit Paccasassi, Mortadella und Anchovis. Als Delikatessen gelten Rezepte, die den Meerfenchel mit Pastagerichten, Fisch oder sogar Pizza kombinieren. Seit das Unternehmen Rinci den Meerfenchel züchtet, darf die Fantasie in der Küche wieder fliegen.