Heimat der Tortellini

Die gefüllten Teigtaschen gelten in ganz Italien als Traditionsgericht und werden vor allem zu Weihnachten als Einlage in klaren Suppen serviert. Über den genauen Ursprungsort der berühmten Tortellini wird jedoch besonders in Norditalien heiß diskutiert. Vor allem in der Region Emilia-Romagna ranken sich verschiedene Geschichten über die genaue Herkunft der Tortellini. Zwischen Modena und Bologna gibt es nicht nur Uneinigkeiten in der genauen Herkunft, sondern auch in der genauen Zubereitung: ob die Tortellini in Rinder- oder Hühnersuppe serviert werden, kann hier schon mal zu einer kleinen Streiterei führen.

Modena oder Bologna

Als Ursprungsort der Tortellini gilt neben Bologna und Modena auch die emilianische Gemeinde Castelfranco Emilia, die so ziemlich genau in der Mitte der beiden großen Städte liegt. Einige Quellen sprechen sogar der Region Lombardei den eigentlichen Ursprung der Tortellini zu. Hier sollen bereits im Mittelalter ähnliche gefüllte Teigtaschen zubereitet worden sein. Die ersten Aufzeichnungen der Tortellini mit der bekannten Füllung aus Schweinefleisch, Rohschinken, Parmigiano und Mortadella wurde erst im Jahr 1871 in einem Rezept aus dem italienischen Kochbuch Il cuoco sapiente, ossia l’arte di piacere ai gusti degli Italiani unter dem Namen Cappelletti alla bolognese entdeckt. Bologna also, oder etwa doch nicht?

Tortellini oder Cappelletti

Früher galten die Bezeichnungen Tortellini und Cappelletti als Synonyme füreinander. Heute spricht man von Tortellini, wenn die Teigtaschen aus der Gegend um Modena und Bologna hergestellt wurden. Die Cappelletti hingegen haben ihren Ursprung in der ganzen Region Emilia-Romagna. Sie sehen den traditionellen Tortellini sehr ähnlich, sind jedoch etwas größer in ihrer Form und können mit verschiedenen Füllungen aus Fleisch und Gemüse zubereitet werden. Während sich der Name der Cappelletti einfach auf Hüte (ital. cappelli), wie sie im Mittelalter getragen wurden bezieht, ranken sich um den Namen der Tortellini verschiedene Legenden. Eine erzählt von einem Koch, der in seinem Gasthaus in Castelfranco Emilia den wunderschönen Bauchnabel einer Frau erblickte und daraufhin beim Abendessens Teigtaschen in Form eines Bauchnabels zubereitete.

Tradition oder Kreativität

Die richtige Zubereitung der Tortellini ist genauso umstritten wie deren Herkunft. Während man früher sogar Hühnerfleisch für die Füllung verwendete, wird heute ausschließlich Schweinefleisch für die traditionellen Tortellini verarbeitet. Während sich beide über die Verwendung von Schweinefleisch einig sind, wird für die Tortellini Bolognesi das Fleisch zwei Tage lang mit Knoblauch, Rosmarin, Salz und Pfeffer mariniert und nur Mortadella aus Bologna verwendet. Für die Tortellini Modenesi wird das Fleisch zuerst klein gewürfelt und kurz angebraten und nur Rohschinken aus Modena verwendet. Weitere Zutaten sind Parmigiano, Eier und Muskatnuss. In Bologna werden die Tortellini um den kleinen Finger, in Modena um den Zeigefinger gewickelt und anschießend liebevoll abbraccio (dt. Umarmung) genannt. Ob in Hühner- oder Rinderbrühe serviert und ganz traditionell mit Schweinefleisch gefüllt, oder doch lieber der Kreativität in der Zubereitung freien Lauf gelassen – die Tortellini schmecken so oder so einfach himmlisch.